MAMO Blog

Medizinische Ahmadiyya Muslim Organisation
Meine Famulatur am THI – Teil 1

Meine Famulatur am THI – Teil 1

Ich erinnere mich daran, als ich zum ersten Mal vom Tahir Heart Institute (THI) hörte. Es war auf unserer ersten jährlichen Versammlung der Medizinischen Ahmadiyya Muslim Organisation, kurz MAMO genannt. Wir hatten ein Interview erhalten, vom geehrten General Major Prof. Dr. Muhammad Masudul Hasan Nuri. Er erzählte von seinem Leben, seinem Dienst in der Armee und seinem Leben als Waqf. Dann erzählte er, wie Khalifatul Massih IV (rh) ihm die Gründung von Tahir Heart Institute anvertraute, einem Krankenhaus, welches dem Dienst der Menschheit gewidmet sein sollte. Inspiriert durch dieses sehr spezielle Interview, fasste ich damals den Entschluss, eine Famulatur am Tahir Heart Institute zu machen. Damals war ich erst im vorklinischen Teil des Studiums, aber schon damals war mir bewusste, dass ich mir die Besonderheit von Tahir Heart Institute anschauen wollte.

So kam es dazu, dass ich mich 2018 dazu entschloss eine ein-monatige Famulatur am THI zu machen. Ich bewarb mich durch unsere MAMO-Vorsitzende Maliha Malik. Mein Flugticket war schon gebucht, bevor die Zusage aus Pakistan kam. Nachdem ich meine Prüfungen im Dezember geschrieben hatte, flog ich am Tag darauf nach Pakistan. Ich hatte einige Tage, um Rabwah zu erkunden, bevor ich die Famulatur antrat.

Am 29.12.2018 ging ich zum Tahir Heart Institute, um mich Prof. Dr. Nuri vorzustellen, bevor ich meine eigentliche Famulatur am 30.12.2019 antreten sollte. Leider war er an dem Tag nicht anzutreffen. Also kam ich einen Tag später und auch heute noch erinnere ich mich, wie nervös ich damals war. Ich hatte so viel über Prof. Dr. Nuri gehört. Ihn persönlich kennenzulernen war nicht nur ein Privileg, sondern eine einmalige Chance in meinem Leben. Außerdem hatte ich Angst wegen meiner Urdukenntnisse. Ich spreche zwar fließend Urdu, jedoch ist dies anders, wenn ich nervös bin.

Ich saß im Flur im Anmeldebereich, als ich auf ihn wartete. Als ich ihn dann sah, stand ich auf. Er ging zu seinem Büro, nachdem er seine Mitarbeiter begrüßt hatte. Ein wenig später wurde ich in sein Büro gerufen.

Prof. Dr. Nuri erkundigte sich über mein Wohlergehen. Um ehrlich zu sein, war dies die einzige Frage, die ich im Laufe des Gesprächs korrekt beantworten konnte. Das restliche Gespräch bestand aus meiner Unfähigkeit zu antworten, da ich sehr großen Respekt vor ihm hatte. Prof. Dr. Nuri fragte mich, was meine Pläne für meine Famulatur sind und welche Abteilungen mich besonders interessierten. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, welche Abteilung besonders für mich infrage kam, da das Tahir Heart Institute vieles zu bieten hatte. Dies hinterließ den Eindruck, dass ich unvorbereitet kam.

So entschied sich Prof. Dr. Nuri mich für diesen Tag mit in das „outdoor department“, Ambulanz, mitzunehmen und bat mich einen Plan für die nächsten Wochen zu erstellen. Minuten später saßen wir dort, vor dessen Tür Hunderte Patienten auf die Ankunft von Prof. Dr. Nuri warteten.

Prof. Dr. Nuri startete seine Arbeit mit einem gemeinschaftlichen Gebet. Nach Abschluss des Duas rief er den ersten Patienten rein. Er begann damit mir die Grundlagen der Patientenpflege beizubringen, zum Beispiel, wie man einen Patienten sicher in einen Rollstuhl setzt, damit es zu keinen Verletzungen beim Transport kommt. Dann setzte er fort mit klinischen Untersuchungen der Patienten und den Patientenordnern, in denen sich vielerlei Berichte fanden u. a. EKGs.

Ich beobachtete Prof. Dr. Nuri und folgte seinen Anweisungen. Wann immer ich angewiesen wurde, das Herz des Patienten zu auskultieren, tat ich dies. Immer wieder stellte Prof. Dr. Nuri Fragen zu klinischen Erscheinungen z.B. Schwanenhalsdeformation, welche ein Zeichen für Rheumatoide Arthritis sind.

In diesem Gespräch merkte ich immer, wie schwierig es für mich war die Begriffe, die ich in Deutsch gelernt hatte, in Englisch auszusprechen. Nachdem ich viele von Prof. Dr. Nuri gestellten Fragen nicht beantworten konnte, hatte ich das Gefühl ihn schwer enttäuscht zu haben. Ich hatte Angst, dass mein erster Eindruck so schlecht war, dass er mich eventuell nach Hause schickt, um zu lernen. Dies war zum Glück nicht der Fall und ich war gesegnet genug Zeugin von der Arbeit Prof. Dr. Nuri zu werden, wie er in weniger als 9 Stunden Hunderte Patienten untersuchte und diagnostizierte. Als um 18.00 Uhr die Ambulanz schloss, saß kein einziger Patient im Wartebereich.

Prof. Dr. Nuri erzählte mir, dass das „outdoor department“ erst dann schließt, wenn kein Patient mehr im Wartebereich sitzt. Er beendet nie seine Schicht, wenn auch nur ein Patient übrig ist und es schon längst über 18.00 Uhr ist.

Nur weil das „outdoor department“ um 18.00 Uhr schloss, endete damit nicht die Schicht von Prof. Dr. Nuri. Er bat mich, ihm zu folgen. Minuten später standen wir im Katheterlabor. Normalerweise sind Montag und Mittwoch Ambulanztage. Allerdings arbeitet er bei Notfällen im Anschluss auch im Katheterlabor. Diese Notfälle finden sich meist während der Untersuchung der „outdoor“ Patienten.

Nach 9 Stunden Arbeit in der Ambulanz machte sich Prof. Dr. Nuri fertig für die Patienten im Katheterlabor. Ich hatte das Privileg hinter Prof. Dr. Nuri zu stehen und die Interventionen zu beobachten. Er erklärte mir, wie man den femoralen Zugang legte und das hierfür die „Seldinger Technik“ verwendet wird. Danach erklärte er mir am X-Ray Monitor die Anatomie des Herzens, hier im Besonderen die Koronargefäße. Mithilfe von Kontrastmittel ließen sich Stenosen darstellen und mithilfe von Ballons ließen sich Stents platzieren.Nachdem der erste Eingriff erfolgreich abgeschlossen war, bereiteten wir uns für den zweiten Eingriff vor. Hier fragte mich Prof. Dr. Nuri über die Abgänge der Aorta. Mit dem Ende des zweiten Eingriffs war der erste Tag zu Ende.

Ich kam gegen 20.00 Uhr nach Hause an und zum Glück war meine Familie anwesend, um mich zu trösten, da ich den Tränen nahestand. Wie eindrucksvoll der Tag auch war, umso mehr war ich enttäuscht, dass ich die Chance verpasst hatte, einen guten Eindruck bei einem der besten Kardiologen zu hinterlassen. Nach dem langen Tag, an dem ich anfing an meinen Fähigkeiten zu zweifeln, fragte ich mich, ob ich wirklich in der Lage wäre, einen ganzen Monat hier zu arbeiten. Meine Eltern motivierten mich, durchzuhalten. Sie wiesen mich an, mir selbst zu vertrauen und Vertrauen in Allah zu haben. Immerhin war dies eine einmalige Chance, von Prof. Dr. Nuri zu lernen und deshalb sollte ich diese nutzen.

Ich betete Maghrib und Isha und nach einer sehr langen Zeit weinte ich im Gebet. Danach spürte ich Frieden und fühlte mich bereit für den nächsten Tag.