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Medizinische Ahmadiyya Muslim Organisation
Meine Ausbildung zur Arzthelferin

Meine Ausbildung zur Arzthelferin

Eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten – ein Beruf mit vielen Aufstiegschancen, mit interessanten Weiterbildungsmöglichkeiten und mit vielseitiger Erfahrung, also nichts für schwache Nerven. Seit 2006 wird dieser Beruf als medizinische Fachangestellte bezeichnet, vorher hieß die offizielle Bezeichnung dafür „Arzthelferin“.

Es geht dabei nicht nur um Blutdruckmessen oder ein paar Stöpseln an der Brust anlegen, um einen EKG zu schreiben. Dieser Beruf dient dazu, den Arzt in jeglicher Hinsicht zu unterstützen, und spielt daher eine unverzichtbare Rolle bei den ärztlichen Tätigkeiten.

Für die dreijährige Ausbildung ist ein mittlerer Schulabschluss erforderlich. Die Aufgabenfelder einer medizinischen Fachangestellten umfassen den Patientenempfang und ihre Beratung sowie Vorbereitung jeglicher Behandlungsräume bzw. -abläufe, Assistieren der Behandlungen, Abläufe im Labor und in Op-Räumen (ja sogar chirurgische Eingriffe) sowie alle organisatorischen und verwaltungstechnische Tätigkeiten. Für diese duale Ausbildung sind vorrangig die Arztpraxen aller Fachrichtungen, Krankenhäuser, Kliniken, aber auch Rehabilitationszentren oder Gesundheitsämter denkbar. Dual bedeutet, dass man abwechselnd die Berufsschule und die Arbeitsstelle besucht.

Die Ausbildung hat natürlich viele Vorteile, für uns Ahmadi-Frauen ist es aber auch sehr wichtig neben der weltlichen Ausbildung die Gebote unseres Schöpfers, wie zum Beispiel Pardah oder Gebetszeiten einzuhalten. Das medizinische Personal trägt meistens einheitliche Arbeitskleidung. In meiner Praxis war das ein Kasack mit weißer Hose. Durch die Gnade Allahs gelang es mir, meinen Chefarzt davon zu überzeugen, dass ich anstatt des Kasacks ein knielanges Oberteil (kameez) und einen Laborkittel während der Arbeitszeit anziehen möchte. Der Laborkittel ähnelt einem Mantel, den wir über unsere Kleidung anziehen. So konnte ich auch pardahgemäße Kleidung während der Arbeitszeit anziehen.

In diesen drei Ausbildungsjahren war es für mich zutiefst rührend , dass ich mit sehr vielen Patienten mit unterschiedlichen Krankheiten in Kontakt kam, darunter auch todkranke Menschen, deren Behandlung viel Zeit, Mühe, aber vor allem viel Mut gekostet hatte, da wir sie quasi durch ihre Endreise begleiten durften. So fiel es mir einfacher, den Tod meiner liebsten zu verkraften, was ich ohne diese Berufserfahrung nie hinbekommen hätte.